Interview Bauernblatt vom 22.02.2018

Welchen persönlichen oder familiären Bezug haben Sie zur Obwaldner Landwirtschaft und den einheimischen Bauernfamilien?

Meine Mutter ist mit 9 Geschwistern in einer Bauernfamilie aufgewachsen. Heute wird der Hof meines Grossvaters von meinem Cousin geführt, daher habe ich nach wie vor einen engen familiären Bezug zur Landwirtschaft. Aus meiner ehemaligen Berufstätigkeit als Bankberater, kenne ich vor allem auch die finanziellen Anliegen der Landwirtschaft gut.

 

Welche Aufgaben hat aus Ihrer Sicht die Obwaldner Landwirtschaft und welche sollen mit öffentlichen Mitteln unterstützt werden?

Produktion hochwertiger Nahrungsmittel, Pflege des Landschaftsbildes wie aber auch soziale Aufgaben. (z.B. Betreuung von Kindern mit Auffälligkeiten, Alterspflege – 3 Generationenhaus)

 

Wenn der Kanton sparen muss, betrifft das auch die Landwirtschaft. Wo gibt es aus Ihrer Sicht noch Sparpotential und wo muss der Status quo belassen bleiben?

Im Bereich Landwirtschaft hat der Kanton wenig finanziellen Spielraum, weil vieles von Bern diktiert und bezahlt wird. Nach der Umsetzung der Finanzstrategie 2027+ ist das Sparpotenzial im Landwirtschaftsbereich ausgeschöpft.

 

Das Bauen ausserhalb der Bauzone wurde in den vergangenen Jahren spürbar erschwert. Wo sehen Sie Handlungsbedarf und wie kann das Raumplanungsgesetz (RPG) kundenfreundlich vollzogen werden?

Grundsätzlich sollen alle Gesetze kundenfreundlich vollzogen werden. Die gesetzlichen Vorgaben müssen eingehalten werden, aber der Spielraum den wir haben, müssen wir optimal nutzen, ohne das Gesetz zu überstrapazieren.

 

Anschlussfrage 1: Stehen Sie zu einer echten Besitzstandgarantie – auch bei Um- und Ersatzbau – für Bauten ausserhalb der Bauzone?

JA

 

Anschlussfrage 2: Teilen Sie die Meinung, dass der kleine Spielraum, der das RPG vorgibt, konsequent zugunsten der landwirtschaftlich begründeten Bauten und Verkehrswege ausgenutzt werden soll?

Ja, der Spielraum muss für die Landwirtschaft aber auch für die nächste Generation, die vielleicht nicht mehr in der Landwirtschaft tätig ist, genutzt werden können. Es gilt generell in allen Gesetzten den Spielraum optimal zu nutzen.

 

Im Bereich Hochwasserschutz und öffentlicher Verkehr stehen in den nächsten Jahren sehr grosse Projekte vor uns. Wie kann der Kulturlandverlust auf ein Minimum reduziert werden und sind Sie bereit, Realersatz für Bewirtschafter und/oder Landeigentümer bereit zu stellen?

Es ist richtig und wichtig, dass bei solchen Projekten Realersatz bereitgestellt wird. Im Bereich Hochwasserschutz werden flächenintensive ökologische Ausgleichsmassnahmen vorgeschrieben und es wäre prüfenswert, ob die Ökobilanz mit Waldflächen kompensiert werden könnte. Der Wald wächst schweizweit jährlich um Flächenmässig 50 km2. So könnte die Landwirtschaftliche Nutzfläche geschont werden.

 

Wie kann Ihres Erachtens die Obwaldner Landwirtschaft für die Zukunft gestärkt werden?

Familienbetriebe im Wohnungsbau unterstützen, mit der Möglichkeit zeitgemäss zu bauen. (Liegenschaft für 3 Generationen)
Landwirtschaftlicher Ausbildungsstandort Giswil erhalten und stärken.
Innovative Betriebe unterstützen (Agrotourismus)
Einheimischen Produkte den Vorzug geben.

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